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Der Zug des Todes

Written by: Lil-Dreamer

Es war ein reichlich verregneter Tag im Mai 1937. Doch das hielt den kleinen achtjährigen Louis nicht davon ab, im Garten zu spielen und zu toben. Louis hatte kurze braune Haare und dazu wunderschöne Rehbraune Augen. Er liebte es im Matsch zu toben und so sprang Louis im Blumenbeet seiner Mutter von Pfütze zu Pfütze. Als er schließlich von seiner großen Schwester in Haus gerufen wurde, weil es Mittagessen gab, rannte er los und mit seinen schlammigen Schuhen direkt in die Küche. Die Mutter tobte los und brachte Louis erst einmal ins Badezimmer um ihn sauber zu machen. Seine Schwester brachte frische Kleidung für ihn.
Als es nach dem Essen endlich aufhörte zu regnen und die warme Sonne zum Vorschein kam, wollte Louis unbedingt wieder nach draußen zum spielen gehen. Seine Mutter erlaubte es ihm.
Louis lief durch die nassen, aber mittlerweile wieder trocknenden Straßen von Seattle. Er und sein bester Freund Kyle hatten sich am großen Spielplatz im Park verabredet gehabt. Dort trafen sie sich auch.
Beide Jungs waren fest entschlossen ein kleines Abenteuer erleben zu wollen und so machten sie sich aus, zum nahegelegenen Bahnhof zu gehen
Auf dem kleinen, alten Bahnhof sind kaum Menschen. Hier kommen auch nur selten und sehr unregelmäßig Züge vorbei. Manchmal sogar mehrere Tage lang nicht.
Beide Jungen hatten sehr viel Spaß und sie waren Stundenlang damit beschäftigt zwei Cowboys zu spielen, die versuchten, wilde Indianer zu fangen. Die Indianer waren nur Fantasiegestalten der beiden gewesen, die aber das Spiel lustiger und schöner gestalteten. Der Bahnhof diente dazu eine alte Westernstadt darzustellen.
Kyle war irgendwann sehr erschöpft und setzte sich auf die Bahnhofsbank um sich etwas auszuruhen. Seine blonden Haare, die etwas länger waren als die von Louis, wehten leicht im Wind. Seine tiefblauen Augen schloss er. Nach nicht allzu langer Zeit wurde es auch schon allmählich dunkel. Die Sonne wollte untergehen und der Tag sollte endlich abschließen.
Louis brachte Kyle nach Hause. Es lag auf seinem Weg, da Kyle nur sieben Häuser entfernt von seinem zuhause wohnte. Die Jungs machten sich aus auch morgen wieder zum Bahnhof zu gehen um dort zu spielen.
Zu Hause bei sich angekommen, ging Louis ohne Abendessen gleich zu Bett. Er war viel zu müde gewesen, um noch etwas zu essen. Seine Augen fielen ihm auch gleich zu, als er sich in sein Bett legte.

Am nächsten Morgen strahlte die warme Sonne durch das Fenster und weckte Louis auf. Der Junge gähnte laut und reckte sich. So begrüßte er den neuen Tag.
Noch nicht ganz wach zog sich Louis um, wusch sich das Gesicht, kämmte sich die Haare und ging die schmale Holztreppe hinunter in die Küche.
Die Mutter hatte leckere Eierkuchen gebraten, sie auf einem Teller gestapelt und auf den Tisch an Louis Platz gestellt. Daneben stand eine Keramikkanne, in der Ahornsirup abgefüllt war. Louis setzte sich auf seinem Platz, nahm die Kanne in die Hand und goss sich etwas von dem Ahornsirup über seine warmen Eierkuchen. Er stellte die Kanne zurück und begann zu essen. Sein Vater, der ihm gegenüber saß, bemerkte nicht, wie hastig sein Sohn das Frühstück hinunter schlang. Zu tief war er in seiner Morgenzeitung verschlungen und las sich dass neuste von der Politik durch. Selbst dass er fast aller zwei Minuten nach seiner Tasse griff, die schon längst leer getrunken war, bemerkte er nicht mal mehr.
Als Louis mit dem Frühstück fertig war, verabschiedete er sich von seiner Mutter, rannte aus dem Haus und holte Kyle ab. Dieser spielte schon fleißig im Garten mit ein paar kleinen Steinen. Als er Louis kommen sah, stand er auf und ging auf Louis zu, Die beiden gingen los zu ihrem Bahnhof, um dort wieder zu spielen. Schließlich mussten sie auch heute wieder die wilden Indianer besiegen.
Die Zeit verging wie im Fluge und den ganzen Tag über kam kein einziger Zug am alten Bahnhof vorbei.
Das ging nun einige Wochen so. Jeden Tag spielten die beiden hier zusammen und nie kam ein Zug vorbei. Eines Tages aber, durften die Jungs plötzlich nicht mehr zum spielen gehen. Eine heftige Unwetterwarnung war in der Zeitung angekündigt worden.
Es regnete Wochenlang heftig, fast ohne Pause durchgehend. Die Straße war nicht mehr zu sehen, so hoch stand das Wasser schon. Aus dem Haus konnte keiner gehen. Einige heftige Sturm-Winde wehten den kalten Regen kräftig gegen die Fenster.
Damit es Louis aber nicht langweilig wurde, malte der Junge den ganzen Tag, über die Monate hinweg sehr viele Bilder von dem Bahnhof, wie er dort mit Kyle spielte. Die fertigen Bilder legte er in eine Mappe und diese versteckte Louis unter seinem Bett. Keiner sollte je mitbekommen an was er gerade dachte, oder wo er gerne sein würde um zu spielen.

Endlich, eines Morgens, Ende August, schien die Sonne in das Haus. Die Straßen waren frei von all den Wassermassen und sie trockneten langsam wieder.
Voller Freude sprang Louis aus dem Bett, zog sich um, wusch und kämmte sich, und ging hinunter in die Küche zum Frühstückstisch.
Wieder einmal gab es Eierkuchen mit Ahornsirup. Und wieder einmal merkte der Vater nicht, das sein Sohn da war. Er las wie jeden Morgen seine Zeitung und trank seinen Kaffee. In der Zeitung stand, dass der alte Bahnhof am Stadtrand vorübergehend keine Züge durchfahren ließe, da die Erde noch sehr matschig zu sein schien, Aufgrund der vielen Regenergüsse.
Das freute Louis besonders, als er das hörte. So könnten er und Kyle den gesamten Bahnhof zum spielen nehmen, einschließlich der Schienen. Er schlang schnell sein Frühstück hinunter, sprang vom Tisch auf, gab seiner Mutter einen kleinen Schmatz auf die Wange und rannte aus dem Haus. Er rannte die Straße hinunter zu seinem Freund Kyle, der am Gartenzaun stand, und Louis fröhlich zuwinkte, als er ihm auf ihn zurennen sah. Er wusste genau, das Louis gekommen war, um ihn zum spielen abzuholen. Also lief Kyle ins Haus, verabschiedete sich von seinen Eltern und dann machte er sich gemeinsam mit Louis auf dem Weg zum Bahnhof.
Die beiden Jungs hatten sich viel zu erzählen, da sie sich Monatelang nicht sahen, wegen dem vielen Regen. Am alten Bahnhof schließlich angekommen, setzten die beiden sich erst mal noch auf die Bank, um noch etwas weiter zu erzählen. Schließlich hatten sie ja den ganzen Tag Zeit gehabt zum spielen.
Nach einigen Stunden reden, fragte Kyle dann, ob sie nicht Lust hätten zu spielen. Louis war von der Idee sichtlich angetan, sprang von der Bank runter, stubbste Klye an und rannte weg. Klye rannte ihm hinterher und versuchte Louis zu fangen. Das ging eine ganze Zeit lang so. Doch irgendwann wurde das fangen spielen ihnen doch zu langweilig, und sie entschlossen sich, wieder ihr altes Lieblingsspiel zu spielen - Indianer fangen. Das machte beiden sichtlich viel mehr spaß als Fangen. Die Zeit verstrich, doch keiner der beiden Jungen bemerkte, das es schon dunkel wurde. So sehr waren sie in ihrem Spiel vertieft. Die tiefrote Sonne stand sehr tief am Horizont und war bald nicht mehr zu sehen. Doch das bemerkten die Jungen nicht. Sie spielten und spielten.
Plötzlich hörte Kyle Zugpfeifen. Er hielt inne, spitzte die Ohren und lauschte weiter. Louis saß auf den Schienen und versuchte aus den Steinen, die in den Schienenzwischenräumen lagen eine kleine Mauer zu bauen. Erneut hörte Kyle das Zugpfeifen. Diesmal war es sogar näher als beim ersten male. Doch Louis hörte nichts davon. Sein Freund schaute sich zu beiden Seiten um, ob er vielleicht ein Licht auf den Bahnhof zukommen sah, doch da war nichts.
Die Sonne war kurz davor ganz versunken zu sein am Horizont und der Mond schien schon hell am dunklen Abendhimmel. Plötzlich schrie Kyle Louis an, das er sich von den Schienen wegbegeben solle, weil er einen Zug sehr nahe hörte, aber Louis meinte nur zu ihm, das er nicht ganz dicht sei. Er hörte keinen Zug kommen, außerdem hieß es doch, der Bahnhof bliebe für eine ganze Weile geschlossen. Somit wäre ja kein Grund vor einem Zug zu weichen, wenn ja gar keiner hier lang fahren könne. Doch Kyle lies nicht locker. Immer wieder schrie er Louis an, er solle hoch zu ihm kommen, doch dieser dachte gar nicht daran. Zu sehr war er mit seinen Steinen beschäftigt. Das es eigentlich schon längst Zeit war, nach Hause zu gehen, daran dachte keiner der beiden Jungs.
Kyle stand einige Schritte vom Bahnsteigrand entfernt, als plötzlich ein wilder Zug wirklich ankam. Ohne Licht und ohne Vorwarnung. Louis versuchte noch von dem Gleis zu springen, doch es war zu spät. Der Zug hat ihn erfasst und schleifte den Jungen viele Meter weit mit sich. Der nasse und weiche Boden unter den Schienen, über die der Zug bretterte, rutschte plötzlich weg und der Zug entgleiste. Die Lok mit Louis vorne an der Schnauze fuhr weiter und weiter, kam nicht zum stehen, bis sie letztendlich neben der Holzzugbrücke den Abhang hinunter stürzte und verschwand.
Kyle stand mit Tränen in den Augen noch immer auf dem Bahnsteig. Er konnte nicht glauben, was eben geschehen ist. Immer wieder rief er nach Louis, und hoffte, das dass alles gerade nicht passiert ist. Er wünschte sich, Louis würde ihm antworten und sagen das es ihm gut ginge, doch dem war nicht so. Noch immer total unter Schock stehend, rannte Kyle nach hause. Seine Tränen flogen beim rennen an der Seite von ihm vorbei. Wie Kristalle glitzerten sie im Mondlicht.
Als Kyle daheim ankam, versuchte er seinen Eltern zu berichten was geschehen ist. Ohne auch nur Luft zu holen redete er und wedelte wie wild mit seinen Armen um sich. Die Eltern verstanden nicht ganz, was er wirklich sagen wollte. Sie entnahmen nur einzelne Worte wie Zug und Bahngleis und Louis und Abhang. Mehr konnten sie nicht heraushören. Kyles Vater nahm seinen Sohn zu sich und ging mit ihm zu den Eltern von Louis, um ihm zu versichern, das es dem Jungen gut ging.
Bei dem Elternhaus, in dem Louis wohnte, angekommen, öffnete die Schwester von Louis die Tür. Sie fragte, was Herr Harris so spät noch wollte. Dann entdeckte sie Kyle, der total verweint aussah. Sie bat die beiden ins Haus und schloss hinter ihnen die Tür. Herr Harris und sein Sohn gingen gefolgt von Louis Schwester ins Wohnzimmer, wo die Eltern auf dem Sofa saßen.
Nach einer kurzen Begrüßung und kleinen Entschuldigung, wegen der späten Störung, fragte Herr Harris ob Louis daheim sei. Die Mutter schüttelte den Kopf und meinte, das ihr Sohn heute morgen mit Kyle spielen gegangen sei und er bis jetzt noch nicht daheim angekommen wäre. Total geschockt von der Aussage der Frau, schaute Harris in das Gesicht ihres Mannes und dann hinunter zu seinem Sohn. Er bat diesem ganz ruhig zu sagen, was er glaubte gesehen zu haben.
Kyle sammelte all seine Gedanken und versuchte langsam zu sprechen. Er erzählte, was passiert war, doch keiner mochte ihm so recht glauben. Immer wieder fragte die Mutter von Louis ob das stimmte. Auch der Vater von Louis sagte jedes Mal das selbe, von dem, das kein Zug über den Bahnhof entlang fahren durfte, laut seiner Zeitung. Doch umso mehr sie Kyle nicht glauben seiner Worte schenken wollten, umso mehr bildeten sich riesengroße Tränen in dessen Augen die er vergoss.
Aufgrund, da ihm die Erwachsenen keinen Glauben schenken wollten, rannte Kyle plötzlich weg. Er rannte die Straße hinunter zur Polizei. Auch dort berichtete, was er gesehen hatte und was eigentlich passiert war. Der noch recht junge Polizeichef hörte dem Jungen aufmerksam zu und schenkte seiner Geschichte auch glauben. Er schnappte sich ein paar seiner Leute und sie fuhren zur besagten Stelle - dem alten Bahnhof. Dort stiegen sie aus und liefen ganz langsam mit ihren Lämpchen auf die Holzbrücke zu. Hin und wieder entdeckte einer der Polizisten Blutspuren auf den Gleisen.
Auf der vermoderten Brücke angekommen sahen die Polizisten den Abgrund hinunter, doch sie konnten kein Zug entdecken. Den Fluss, der unten entlang floss, konnte kaum einen solchen Zug weggespült haben. Da sie nach circa zwei Stunden noch immer keinen Zug sahen und fanden, beschlossen sie, ihre Arbeit abzubrechen und auf den nächsten Tag zu verschieben. Es brachte bei der Dunkelheit schließlich nicht viel einen Zug zu suchen, wenn sie nicht genau wussten, wo der Zug liegen sollte.

Am nächsten Morgen war Kyle nicht nach aufstehen zu mute. Er drehte sich im Bett um und verkroch sich unter seiner Decke. Das die Sonne schien, störte ihm sichtlich. Er hatte irgendwie auf sie kein Bock gehabt.
Die Polizisten hingegen waren schon am Einsatzort und untersuchten alles. Sie fanden zwar die Spuren von dem Zug im Matsch und auch viele Blutspuren die offensichtlich von dem Jungen stammten, aber kein Zug war zu sehen. Auch die Leiche des Jungen war nicht aufzufinden. Den ganzen Tag waren sie damit beschäftigt.
Am Abend stand der junge Polizeichef vor der Tür des Elternhauses von Louis und klingelte. Der Vater öffnete die Tür und bat den Polizisten ins Haus. Dieser trat auch ein und bat den Mann sich zu seiner Familie zu gesellen, bevor er seine Nachricht übermittelte. Er bestätigte, das ihr Sohn nicht mehr am Leben sein würde, jedoch aber auch, das man weder die Leiche noch den Zug fand. Nur Anhand der Blutspuren und der frischen Zugreifenspuren konnte man die Aussage von Kyle bestätigen.
Irgendwas muss sich wirklich letzte Nacht auf dem Bahnhof abgespielt haben, darin bestand nun kein Zweifel mehr.

Die Eltern von Louis standen am nächsten Morgen recht zeitig auf. Sie wollten zum Bürgermeister um ihre Geschichte zu erzählen. Sie wollten damit bewirken, das der Bahnhof geschlossen wird, solang man nicht weiß, was sich in der Nacht tatsächlich abspielte.
Der Bürgermeister hörte den beiden zu und sprach sein Beileid aus. Er war sichtlich ganz ihrer Meinung und stellte einen Antrag aus, der die Schließung des Bahnhofes ermöglichte. Noch am selben Tag, am späten Nachmittag wurde eine Zugsperre aufgestellt, so dass kein Zug mehr durch den Bahnhof fahren konnte.
Die Polizeiermittlungen gingen weiter, doch nie wurde jemals eine Spur gefunden, die hundertprozentig dies bestätigte, was offensichtlich wirklich mit Louis passierte...

...Vierzig Jahre später...

Es ist Mitte August 1977, ein schöner, sonnig-warmer Tag in Seattle. Viele Kinder toben auf den Straßen herum, planschen in kleinen Swimmingpoolen oder halten Mittagsschlaf in der angenehmen Sonne.
Daniel und Rick haben sehr viel spaß miteinander. Die beiden Jungs sind gerade mal acht Jahre alt und gehen in die dritte Klasse der Seattle-Elementary School. Doch zurzeit sind Sommerferien. Daniel ist für sein Alter schon ziemlich groß. Er hat kurze braune Haare und grüne Augen. Rick hingegen ist kleiner als Daniel, und auch zierlicher als dieser. Er hat kurze braune Haare und blaue Augen. Bis auf der unterschiedlichen Augenfarbe, sehen die zwei Jungs sich sehr ähnlich. Was auch kein Wunder ist. Die beiden sind Cousins, Väterlicherseits.
Ihre Eltern haben sie täglich daran erinnert, das sie nie zu diesem Bahnhof gehen sollten, da sich dort merkwürdiges abspielen soll. Den Worten der Eltern nach, muss der alte Bahnhof noch immer stehen.
Doch heute wollten die Jungs mal was erleben. Sie wiedersetzen sich der vielen Mahnungen ihrer Eltern und gehen auf Entdeckungsreise zum Bahnhof runter. Kaum sind sie dort angekommen, spüren sie einen seltsamen Wind entlang wehen. Einen Wind, als wäre er nicht von dieser Welt. Sie gehen durch die Bahnhofsvorhalle direkt auf den Bahnsteig. Alles was sie dort fanden, war nichts weiter als eine vermoderte alte Holzbank und ein Schild, auf dem undeutlich geschrieben stand “Zutritt Verboten!” Doch daran hatte sich wohl vorher auch schon mal jemand nicht gehalten. Wie sonst soll das Schild denn auf den Bahnsteig gekommen sein. Als die Jungen merkten, das hier nichts schlimmes oder verdächtiges auf sie zu warten schien, machten sie Witze über das, was man dem Bahnhof nachsagte.
Plötzlich saß ein Mann, mittleren alters auf der vermoderten Bank und hustete laut. Die beiden Jungs erschreckten sich und hörten schlagartig auf Witze zu machen. Der Mann mahnte die Jungen, das sie den Bahnhof verlassen sollten. Er behauptete, der Bahnhof sei Verflucht. Die Seele seines besten Freundes ist hier und findet keine ruhe, wenn solche Rabauken hier herumtollen würden. Das würde die Seele nur noch mehr verärgern. Dem Anschein nach, was der Mann erzählte, musste er Kyle Harris sein, der damals in jener grausamen Nacht das Unglück mit ansehen musste. Doch anstatt zu verschwinden, setzten sich Daniel und Rick auf dem Boden vor dem Mann und baten ihn darum, die Geschichte zu erzählen.
Er begann: “In jener Nacht, es war damals der 27. August 1937, da waren ich und mein bester Freund, Louis hieß er, hier auf dem Bahnhof und spielten zusammen. Wir waren nicht viel älter als ihr beide es heute seid. Louis saß dort auf dem Gleis und spielte mit den Steinen.” er zeigte auf die Stelle und man sah einige Steine übereinandergestapelt herumliegen. “Ich jedoch stand hier.” und er zeigte auf den Platz, auf dem Rick saß. “Es wurde schon recht dunkel und ich hörte einen Zug, doch es war keiner weit und breit zu sehen. Ich habe Louis gewarnt, er solle von dem Gleis kommen, doch er wollte nicht hören. Und den Zug den auch nur ich hörte, der kam plötzlich. Wie aus dem nichts - ohne Licht. Er riss Louis mit sich. Ich habe immer wieder ‘Louis’ geschrieen, doch er antwortete mir nicht. Ich hatte die Polizei informiert, da mir meine Eltern und auch die von Louis mir die Geschichte nicht geglaubt hatten, doch die Polizisten taten es. Sie suchten Monatelang nach dem Zug, der dort hinten, bei der alten Brücke in die tiefe stürzte und auch nach der Leiche meines Freundes. Beides war aber nicht auffindbar. Wie vom Erdboden verschluckt.” Daniel und Rick bekamen eine Gänsehaut, als sie dem Mann so zuhörten. Rick hatte sogar leichte Tränen in den Augen, vermutlich aus Angst.
“Ich sitze jeden Abend hier, doch am besagten 27. August, jedes Jahres höre ich das pfeifen des Zuges, wie er hier vorbei fährt. Zu sehen ist aber keiner, nur der Wind ist plötzlich anders, als wenn er hier vorbei fahren würde.” Jetzt hatte Daniel schiss bekommen und klammerte sich an Rick fest. “Ich höre auch Louis Stimme, wie er schreit vor Angst. Ich glaube, sein Geist, der hier umherirrt findet einfach keine Ruhe. Zumindest ist es so, an diesem besagten 27.August.” Der Mann überlegte kurz und Daniel und Rick schauten sich in die Augen. Dann sprach Kyle wieder, und erschrak die Jungs dabei: “Ahh, in 10 Tagen ist soweit.” Er schaute auf seine Uhr, stand von der Bank auf und lief ein paar Schritte. Dann drehte er sich um und sagte: “Ihr beide solltet jetzt besser gehen, hier ist es zu gefährlich für euch. Und es wäre besser, wenn ihr nicht mehr hier herkommt. Zu eurer eigenen Sicherheit, Kinder.” Dann verschwand er.
Daniel und Rick schauten sich kurz um und taten dann was der Mann zu ihnen sagte. Sie gingen nach Hause. Die Jungen riefen ein paar ihrer Freunde und Klassenkameraden zu sich und erzählten ihnen die Geschichte von Bahnhof, die der Mann ihnen vorhin erzählt hatte. Steve war so fasziniert von der Geschichte, das er meinte, dass sie an dem Abend auf dem Bahnhof gehen sollten. Vielleicht hatte der alte Mann auch nur eine zu große, blühende Fantasie. Steve war wie die anderen auch acht Jahre alt. Er hatte etwas längeres blondes Haar und grüne Augen. Von seiner Statur her, war er recht schlank. In der Schule galt er als fauler Hund, da er zu Hause nie lernte oder so. Das verrieten ihm aber auch seine schulischen Leistungen. Mit Müh und Not schaffte er es jedes Mal gerade noch so in die nächste Klassenstufe versetzt zu werden.
Nach längerem zögern seines Vorschlags, an dem besagten Tag auf dem Bahnhof zu gehen, stimmten ihm dann doch einige zu. Auch Daniel und Rick. Nur mussten alle daran denken, das sie heimlich von zu Hause verschwinden müssen, ohne dass ihre Eltern davon etwas mitbekamen. Schließlich war es ihnen doch streng verboten überhaupt auf den Bahnhof zu gehen. Das Risiko erwischt zu werden von ihren Eltern, wollte keiner eingehen.

Die Tage vergingen, und der 27.August rückte immer näher bis er schließlich erreicht war. Heute Abend ist es soweit, das die Kinder sich aus dem Haus schleichen wollen um auf den Bahnhof gehen zu können.
Alle Kinder, die dort hin wollten, gingen heute eher zu Bett, damit sie sich auch rechtzeitig treffen konnten - vor dem Bahnhof natürlich. Daniel und Rick wohnten im selben Haus, aber es sind zwei verschiedene Wohnhälften. Heute aber schläft Daniel bei Rick, das haben sie sich so ausgemacht. Dann wäre es einfacher sich außer Haus schleichen zu können.
Noch vor zwanzig Uhr lagen die fast alle Kinder im Bett, und das, obwohl Freitag ist und sie am nächsten Tag nicht zur Schule mussten. Alle waren sehr aufgeregt und Rick hatte plötzlich ein ungutes Gefühl bei der Sache gehabt. Er wollte plötzlich kneifen und er versuchte Daniel davon zu überzeugen nicht auf den Bahnhof zu gehen. Doch dieser lies sich nicht abhalten. Und weil Rick Daniel nicht allein lassen wollte, ist er dann auch mitgekommen. Die Jungen schlichen sich ganz still und leise aus dem Haus heraus, sodass die Eltern nichts davon mitbekamen, was sie vorhatten. Auch die anderen Kinder, das waren außer Daniel und Rick noch Steve, Linda, Sara und Xiang.
Linda hatte ganz langes, dunkelbraun gelocktes Haar und mandelförmig braune Augen. Sie war das beliebteste Mädchen, bei allen Jungs. Sara hatte schulterlanges, hellbraunes Haar und grüne Augen. Sie und Linda waren die besten Freundinnen gewesen. Xiang hatte kurzes, schwarzes Haar und tiefbraune schmale Augen. Er war neu in der Stadt. Er und seine Eltern sind vor ein paar Monaten erst von Tokio nach Seattle gezogen.
Die Kinder machten sich auf den Weg zum Bahnhof. Dort angekommen sahen sie schon ein Schild vor dem Eingang des Bahnhofes stehen, auf dem stand: “Betreten Verboten!” Doch das hinderte die Kinder nicht daran trotzdem auf dem Bahnhof zu gehen. Im Gegenteil. Das, was verboten war, hatte doch den meisten Reiz gehabt, es zu tun. Alle blieben dicht beieinander als sie sich auf dem Bahnsteig zu bewegten. Daniel schaute sich zuerst um, ob der alte Mann zu sehen sei, aber da war keiner. Da die Luft rein war, gingen sie alle der Reihe nach auf den Bahnsteig. Die beiden Mädchen setzten sich auf die Bank, sie wollten von dort aus zusehen, wenn was passieren sollte, was sie aber nicht wirklich glaubten. Xiang hielt sich ganz in der Nähe der Mädchen auf.
Daniel und Rick blieben auch beisammen und kundschafteten die Gegend aus, ob da was merkwürdiges zu sehen ist oder ob der alte Mann sich irgendwo aufhielt. Steve jedoch war da mutiger als der Rest seiner Truppe. Er stolzierte fröhlich wie ein irrer auf dem Gleis umher und Witzelte über den Vorfall von damals. “Seht, ich werde vom Zug erfasst.” und Steve schmiss sich auf den Boden und lachte laut vor sich hin Linda und Sara fanden das ganz und gar nicht komisch. Auch Xiang konnte nicht darüber lachen. Er stellte sich vor der Bank auf, an jenem Fleck wo Kyle damals gestanden haben muss. Daniel und Rick kamen auch zur Bank und machten eine Lagebericht.
Daniel meinte mehrere male zu Steve, das sein verhalten nicht hier her passe und er zu ihnen hochkommen solle. Doch das interessierte Steve überhaupt nicht. Er witzelte weiter vor sich hin, spielte mit den Steinen, indem er sie in die Dunkelheit warf.
Rick schaute ständig Daniel fragend an, wo der alte Mann wohl sei. Er dachte, er würde auch heute hier sein und die Geschichte sich ansehen zu wollen. Schließlich war er doch damals dabei, als es passierte. Und so wie er sagte, stand er auch jedes Jahr hier. Warum heute nicht?! War er etwa krank geworden und ist deshalb nicht gekommen?
Die Sonne ist bereits untergegangen und der große, runde Mond stand tief am nächtlichen Himmel. Die Sterne glitzerten und funkelten und einige von ihnen blinkten auch so komisch. Da es den Mädchen zu langweilig war, begannen sie Sternbilder zu suchen und sie fanden auch einige.
Plötzlich zuckte Xiang zusammen. “Ich höre was.” und er spitzte seine Ohren. Rick suchte mit seinen Augen Steve auf dem Gleis, doch er war nicht mehr zu sehen. Er stubbste Daniel an und zeigte auf die Schienen. Als Daniel das sah, meinte er nur, das Steve sich sicher wieder nur einen dummen Scherz erlauben würde, so wie die ganze Zeit schon. Dann machte Xiang erneut auf sich aufmerksam. “Ich höre was. Es kommt auf hier zu. Ich vermute, es ist der Zug.” Alle schauten gespannt in die Richtung, aus die der Zug nur kommen könnte, falls er es ist. “Sollten wir Steve nicht lieber suchen und warnen?” meinte Linda etwas ängstlich. Daniel nickte und rief nach Steve. Doch keine Reaktion von ihm. Laut Xiangs Minütiger Lagebericht über das schrille Pfeifen des Zuges, müsste dieser in kürzester Zeit hier eintreffen. Aber ein Licht ist nicht zusehen. Da sich die Lage zunehmend anspannte, und die Kinder mit jeder Sekunde mehr Angst bekamen hielten sie es für besser nicht über die Gleisen zu gehen um Steve zu suchen. Selbst die Dunkelheit würde die Suche nur noch erschweren. Daniel rief und rief, doch Steve antwortete nicht. “Der Zug müsste jeden Augenblick hier sein.” meldete Xiang sich zu Wort.
Plötzlich sprang Steve aus der Dunkelheit Daniel entgegen und erschreckte ihn so sehr, das dieser nach hinten auf den Bahnsteig fiel. Steve aber stand noch auf dem Gleis rum und lachte sich einen. Xiang drehte sich um und Rick kroch hinter der Bank hervor, als plötzlich der Mann erschien und die Kinder anpflaumte, was sie hier zu suchen haben. Er tobte so sehr, das Linda und Sara davonrannten. Auch Xiang rannte weg. Das Steve auf dem Gleis stand, hatte Kyle noch nicht bemerkt. Da hörte er auch schon den Zug und plötzlich sah er den Jungen auf den Schienen stehen. Er rannte los um den Jungen noch zu retten, doch da kam schon der grünlich durchsichtig schimmernde Zug mit rasender Geschwindigkeit auf Steve zugerast und noch bevor Kyle den Jungen hätte retten können, erfasste der Zug Steve und riss ihn mit sich. Rick schrie wie am Spieß, als er das sah. Seine schreie übertönten sogar die schreie von Steve. Daniel konnte nicht glauben was er sah, und auch der alte Kyle war total geschockt. Die Geschichte hat sich wiederholt, nur mit dem einen feinen Unterschied: Damals war der Zug real und heute ein Geisterzug.
Als sie nach ein paar Minuten starres stehen sich wieder gesammelt hatten, liefen Kyle, Daniel und Rick los um zu sehen, wo Steve wohl sein mag. Kyle wusste genau wie die Route von dem Zug aussah, also lief er gezielt in Richtung Abhang. Doch auf dem Weg dahin war kein Steve zu sehen. Sollte er wirklich mit dem Zug in den Abgrund gestürzt sein? Wie ist so was möglich? All diese Fragen, fragte sich Daniel die ganze Zeit. Immer und immer wieder.
Am nächsten Morgen machte sich ein Suchtrupp daran nach dem verschwundenem Steve zu suchen. Sie suchten jeden noch so kleinen Winkel ab, aber nirgends war der Junge zu finden. Daniel konnte es nicht begreifen, genauso wenig wie Rick und der Rest der Kinder. Die Eltern jedoch hatten ziemliche Wut auf ihre Sprösslinge gehabt, weil diese nicht das machten, was sie ihnen sagten.
Erneut wurde ein Schild auf dem Bahnhof errichtet. Diesmal stand darauf “Der Bahnhof ist verflucht! Betreten äußerst Verboten!” Das Schild fertigte Kyle an, der auf der Bahnhofsbank saß. Er wollte damit bezwecken, das niemand mehr hier her kommen würde und die zwei vermissten Seelen, die von Louis und nun auch die von Steve ihren ewigen Frieden finden könnten, wenn es auch schwer werden würde, da sich das Schicksal nun jedes Jahr, am 27.August wiederholen würde. Und so fährt der Geisterzug auch die nächsten vierzig Jahre in jener Nacht seine Strecke ab und holt sich seine Seelen wieder vom Bahnhof ab...

ENDE


Also, die Geschichte war ursprünglich ein Traum von mir, der mich Wochenlang nachts verfolgte und ich fast kaum noch ruhig schlafen konnte. Jetzt, wo ich ihn niedergeschrieben habe, träume ich auch nicht mehr davon und kann ganz ruhig wieder schlafen...



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